Klima, Energie & Biodiversität

Erfolgreicher Klimaschutz benötigt eine rasche Energiewende, die aber auch auf die Biodiversität der Natur Rücksicht nimmt. Das bedeutet, dass wir so wenig wie möglich in die Natur eingreifen, wenn wir Strom und Wärme zukünftig nur noch aus erneuerbaren Quellen beziehen.

Schutz von Klima und Natur Hand in Hand

Die globale Klimakrise wirkt sich auf das im Herzen Europas gelegene Gebirgsland Österreich besonders stark aus. Während der weltweite Temperaturanstieg zwischen 1880 und 2018 bei etwa einem Grad Celsius lag, waren es in Österreich bereits zwei Grad! 

Die Klimakrise bedroht daher Österreichs Biodiversität, die Vielfalt unserer Natur: Alpengletscher schrumpfen, die Lebenszonen vieler Tier- und Pflanzenarten im Gebirge verschieben sich nach oben und verdrängen dadurch andere. In den Sommermonaten treffen immer öfter und längere Hitzewellen mit Temperaturen jenseits der 35 Grad, aber auch verheerende Unwetter Österreich.

Die immer häufigeren Überschwemmungen und Dürren verursachen zudem volkswirtschaftliche Milliardenschäden. 

Wiederstand gegen erneuerbare Energien

Anti-Windkraft-Demo

Schnelles Reagieren ist unerlässlich. Die damalige Bundesregierung hat in ihrer Klima- und Energiestrategie #mission2030 auch festgelegt, dass Österreich ab 2030 nur noch heimischen Ökostrom verwenden soll. Dabei nimmt der Ausbau der erneuerbaren Energien eine zentrale Stellung ein. 

Aber auch der Ausbau der erneuerbaren Energien bleibt nicht  ohne Auswirkungen auf Umwelt und biologische Vielfalt (Biodiversität). Wasserkraftwerke greifen tief in Flusslebensräume ein. Windparks können zur Gefahr für Vögel und Fledermäuse werden. Biomassekraftwerke erhöhen die Nachfrage nach Holz sowie nach Flächen für Energiepflanzen. Im Grünland errichtete Photovoltaikanlagen versiegeln wertvolle Böden. Nicht zuletzt scheint ein Aus- oder zumindest ein Umbau der Stromnetze notwendig, damit diese den geänderten Ansprüchen eines erneuerbaren Energiesystems gerecht werden.

In Folge dessen regt sich vielerorts Widerstand gegen den Ausbau von erneuerbaren Energien und Höchstspannungsleitungen, um wertvolle Naturräume zu schützen. Diese Konflikte kosten Österreich wertvolle Zeit am Weg zur Klimaneutralität. Hier muss man jetzt gegensteuern, sonst werden die Auseinandersetzungen noch zunehmen.

Kooperieren für Klima und Natur

Österreich kann für den Schutz des Klimas bis 2050 ohne Verlust an Biodiversität völlig aus dem fossilen Energiesystem aussteigen kann, wenn wir unseren Energieverbrauch halbieren. Andernfalls wären wir gezwungen, mit den erneuerbaren Energien in besonders sensible Lebensräume vorzustoßen. Außerdem würden die benötigten Flächen immer stärker in direkter Konkurrenz mit der Lebens- und Futtermittelerzeugung der Landwirtschaft stehen. All das mobilisiert Menschen gegen Energieprojekte.

Widerstand gegen Energieprojekte entsteht häufig durch zwei Ursachen: 

  1. konkrete Bedrohungen von Natur, Lebensräumen und Arten 
  2. Misstrauen und Gerüchte, geschürt durch mangelnde Transparenz und fehlende oder ungeeignete Kommunikation

Beide Ursachen lassen sich durch richtig eingesetzte Kooperation mit der Öffentlichkeit verringern oder gar komplett vermeiden. Umweltschutzorganisationen und Wissenschaft bieten Expertise, Daten und Erfahrungen, die den Planenden mitunter selbst nicht zur Verfügung stehen. Bindet man die Öffentlichkeit bereits während der frühen Planungsphase von Energieprojekten ein, lassen sich potentiell sensible Auswirkungen auf die Biodiversität rechtzeitig identifizieren und Lösungen dafür finden. 

Um sowohl einem rasch errichteten erneuerbaren Energiesystem als auch dem Schutz der Biodiversität gerecht zu werden, gilt es dieser Herausforderung möglichst frühzeitig zu begegnen. ÖKOBÜRO arbeitet daher an Lösungen, den Schutz von Klima und Biodiversität miteinander in Einklang bringen. Unter dem Titel Gemeinsam zu wirklich grünem Strom entwickelten wir grundlegende Empfehlungen für die biodiversitätsschonende Energiewende. Darüber hinaus widmen wir uns der Lösung von Konflikten rund um den Ausbau der Stromnetze.